sind irgendwie depremierend.
Wahrscheinlich gibt es niemanden den die Krankenhaus-Atmosphäre kalt lässt. Jedenfalls ist mir niemand bekannt, der sich gerne in Krankenhäusern aufhält.
Man ist so direkt mit Krankheit, Elend und irgendwie auch dem Tod konfrontiert. Es schwebt in der Luft und kommt einem auch in seiner körperlich menschlichen Form einfach so im Flur entgegen, ohne dass man sich davor schützen kann.
Man steigt in der Tiefgarage aus seinem Auto und es fühlt sich an wie überall anders auch. Man steigt in den Aufzug und ist entspannt. Die Tür geht wieder auf und schon ist man mittendrin- überall laufen Menschen rum denen ihre Krankheit oder Verletzung anzusehen ist. Ein junger Mann, vielleicht 30 steigt in den Aufzug, an seiner rechten Hand ein dicker Verband. Auf den zweiten Blick ist klar, der Verband ist nicht an der Hand, sondern da wo bis vor kurzem noch eine Hand war.
Eine junge Frau kommt einem entgegen, das Gesicht fast vollständig von Pflastern und Verbänden bedeckt. Verbrennung, Bisswunden, ich weiss es nicht. Aber es macht nicht den Eindruck, als würde ihr Gesicht jemals wieder so aussehen wie vor dem Unfall.
Auf dem Weg zu dem Patienten den man eigentlich besuchen will, begegnen sie einem alle paar Meter- Menschen jeden Alters die einen Tropf im Arm stecken haben und ihn über die Flure schieben, Menschen mit klassischer Chemotherapie-Glatze, Menschen denen man nicht auf den ersten Blick ihr Leiden ansieht, deren Gesichtsausdruck einem aber umso deutlicher mitteilt, dass auch sie nicht ohne Grund hier sind.
Hunderte schlimme Schicksale prasseln auf einen ein und die Schutzschicht auf der eigenen Seele ist nicht dick genug um all das spurlos vorbeiziehen zu lassen.
Und dann sitzt man da in diesem Krankenhauszimmer mit den weissen Wänden, den vielen Knöpfen an der Wand auf einem Stuhl aus den 80er Jahren am Bett des Freundes und weiss nicht was man sagen soll. Weiss nicht, was man tun soll. Man will helfen, aber man ist kein Arzt. Man kann nur dasitzen und nach aufmunternden Worten suchen. Diese sind schwer zu finden, wenn man jemandem gegenüber sitzt der Krebs hat. Er sagt, er habe Angst zu sterben. Man würde ihm gerne sagen, dass er keine Angst haben braucht, weil er wieder gesund werden wird.
Man sagt es aber nicht. Weil man nicht weiss, ob es der Wahrheit entspricht.