Die meisten Menschen haben persönliche Differenzen mit ihrer eigenen Mutter. Das scheint irgendwie in der Natur der Menschen zu liegen, und diejenigen, die eine beste Freundschaft mit ihrer Mutter pflegen sind entweder der totale Glücksfall oder Meister der Verdrängung.
Ich gebe zu, ich beneide diese Menschen ein wenig. Nicht, dass ich kein gutes Verhältnis zu meiner Mom hätte, aber bei uns ist gewaltig der Wurm drin. Wenn es hart auf hart käme, würden wir zusammen halten. Ich weiss, dass sie meine Kaution zahlen würde, wenn man mich verhaften würde. Das sie 1000km fahren würde um mich irgendwo rauszuholen.
Und wenn es eine sehr lockere Atmosphere ist, unter vielen Menschen, auf Veranstaltungen und sowas, dann ist auch alles super, dann unterhalten wir uns gut haben ein tolles Verhältnis.
Das Problem liegt in der kompletten Zeit dazwischen. Im alltäglichen Miteinander, wenn man es noch so nennen kann, denn alltäglich ist es zum Glück nicht mehr, seit ich vor nunmehr acht Jahren das Elternhaus räumte.
Auch wenn wir nur ein paar Kilometer auseinander wohnen, sehen wir uns nur alle paar Wochen. Weil ich mich aus Pflichtgefühl hinquäle. Ich will nicht hin. Ich will keine Zeit mit ihr verbringen, ich ertrage sie nicht in meiner Nähe. Vor allem nicht mehr als zwei Stunden.
Sie hat meine Wohnung erst einmal gesehen und kann es nicht lassen, regelmässig nachzufragen, wann sie denn mal zu mir kommen könnte. Aber ich will sie nicht in meiner Wohnung. Die Wohnung gehört mir und meinem Mann und da hat meine Mutter nichts zu suchen. Das ist mir zu intim, das ist ein Eingriff in meine Privatsphäre. Natürlich lasse ich Freunde in meine Wohnung, aber das sind alles Menschen, die ich auch gerne um mich habe.
Wenn meine Mutter in meiner Wohnung war, fühlt sich die Wohnung konterminiert an. Sie dringt mit ihrer puren Anwesenheit in meine Intimsphäre ein. Da gehört eine Mutter nicht hin. Vor allem nicht, wenn das Kind 26 und verheiratet ist. Ich glaube, das ist das gleiche wie dieses Schwiegermutter-Phänomen, nur eben krasser, weil auf einer direkteren Ebene.
Ich weiss nicht, wie ich sie da raushalten soll. Sie hat mir nichts getan, ich kann ihr nichts vorwerfen. Ich kann ihr keinen Grund liefern, dass ich sie nicht in meinem Leben haben will- zumindestens nicht im direkten Kontakt. Ich kann ihr nur sagen, dass sie sich von mir fernhalten soll ohne es zu begründen. Das würde sie so fertig machen, dass ich es wieder nicht ertragen würde.
Ich hasse sie nicht. Es ist mir nicht egal, wenn es ihr schlecht geht. Ich ertrage sie nur nicht in meinem Leben. Und ich frage mich, warum das so kompliziert sein muss.
Schwiegermutter war auch noch nie in unserer Wohnung. Hat aber auch nie danach gefragt. Sie freut sich, wenn wir vorbeikommen. Sie hat uns gerne in ihrer Nähe, aber sie würde niemals darauf drängen. Sie akzeptiert, dass wir ein eigenes Leben haben. Und freut sich, wenn wir etwas davon mit ihr teilen.
Ich dachte, wenn ich mal Mitte 20 und verheiratet bin, würde sich das Problem mit meiner Mom von alleine lösen. Hat es nicht. Und bis zum Ende meiner Tage mach ich das nicht mehr mit. Jetzt hoffe ich, dass sich das Problem zumindestens dann von alleine löst, wenn wir weggezogen sind. Aber wie wird sie reagieren, wenn sie 1000km gefahren ist und ihre Tochter sie dann im Hotel unterbringen will?
Mutter- Tochtergeschichten können ganz schön kompliziert sein…